Scott Kiloby – Anspannung – Danke, dass du da bist

Guten Morgen,

heute möchte ich mal einen Artikel von Scott Kiloby teilen, der mir gestern über den Weg lief und der mich sehr berührt hat.

Wir wollen uns alle besser fühlen. Das ist menschlich und verständlich, aber was, wenn gerade diese Intention es umöglich macht, unser Ziel zu erreichen? Scott hat auf seiner Seite einen, wie ich finde, sehr schönen Text dazu geschrieben, den ich nun hier mit meiner Übersetzung einstelle.

„Anspannung – Danke, dass du da bist

Wogegen wir uns wehren, das bleibt bestehen. Das ist eine jahrhundertealte Weisheit. Und wenn es um Kontraktionen im Körper geht, ist diese Weisheit vielleicht die wichtigste Einsicht überhaupt. Eine Körperkontraktion ist die Empfindung von einer Dichte, zumeist im Hals, in der Brust, im Bauch oder im Becken. Ich habe die verschiedenen Kontraktionen in meinem Körper immer als nicht gefühlte Emotionen angesehen, die über die Jahre zu  einer  dichten, festen Energie gefroren sind. Vor langer Zeit, wahrscheinlich in der frühen Kindheit, waren bestimmte Emotionen und Empfindungen einfach nicht auszuhalten gewesen. Etwas in meinem System machte zu und verschloss sich gegenüber diesen schmerzhaften Emotionen und Empfindungen – und schaltete sie so aus. Später fand ich heraus, dass es zu jeder Kontraktion in meinem Körper üblicherweise eine dazu gehörende Sucht gab.

Die früheren Jahre meines Lebens verbrachte ich damit, trotz dieser schmerzhaften Emotionen und Empfindungen irgenwie zu überleben. In diesen Jahren verhärtete mein System unbewusst immer mehr. Ich verbrachte damals viele Jahre damit, nach süchtig machenden Substanzen und Aktivitäten zu jagen, um mich von diesen schmerzhaften Energien abzulenken, sie medizinisch zu behandeln oder zu überdecken. Es schien, als hätte ich keine Wahl. Das war die Art, wie mein System lernte, mit dem umzugehen, was nicht vollständig gefühlt worden war / werden konnte. Diese Substanzen und Aktivitäten boten nur vorübergehend Entlastung. Die Kontraktionen kamen zurück, aus dem Nichts, nach mehr schreiend, mehr Drogen, mehr Aktivitäten. Ein Teufelskreis.

Als ich die Möglichkeit erkannte, diese Kontraktionen durch spirituelle Lehren und therapeutische Eingriffe zu befreien, machte ich einen unschuldigen Fehler, den so viele machen. Ich weiß, ich weiß, es gibt keine Fehler, aber hör mir zu.

Ich strengte mich zu sehr an. Meine Absicht war, mich von diesen Kontraktionen zu befreien. Ich verbrachte Jahre damit, alles dafür zu tun mich zu entspannen, zu ruhen, zu erforschen, zu meditieren, mich selbst zu befragen, um die Kontraktionen zu transformieren. Mir war nicht klar, dass die meisten Anstrengungen, die ich machte, diese Kontraktionen gar nicht berührten oder sogar verhärteten.

Bevor die Living Inquiries entwickelt waren, hatten sich einige Kontraktionen einfach durch Erkennen, Wahrnehmen, und Erlauben so zu sein, wie es ist (allen Worten, Bildern und Empfindungen), aufgelöst. Doch einige der Hartnäckigen, Dichten blieben, genauso wie die Süchte, die mit ihnen in Verbindung standen.

Selbst nach Entwicklung der Inquiries machte ich weiterhin diesen gleichen unschuldigen Fehler. Ich versuchte, die Kontraktionen mit neuen Werkzeugen aufzulösen. Das war mein bewusstes oder unbewusstes Ziel. Ein verhängnisvoller Irrtum. Irgendwann erkannte ich, dass die Kontraktion einfach blieb wo sie war, wenn ich mich ihr mit der Absicht zuwandte, sie loszuwerden. Je mehr ich mich wehrte, desto stärker wurde sie.

Als Vermittler der Living Inquiries ermutigen wir unsere Klienten sich zu entspannen und alles sein zu lassen, wie es ist. Das ist eine sehr gute Anleitung, um das Zu-sehr-Wollen zu lösen. Doch manchmal ist das einfach nicht genug. Für mich war es das jedenfalls nicht, zumindest nicht hinsichtlich der dichteren Körperempfindungen. Mein Verstand hörte diesen Hinweis, doch im Hintergrund arbeitete meine unbewusste Absicht weiter, diese Energien loszuwerden.

Als ich auf mein Leben zurückblickte und erkannte, was geschehen war, sah ich ein Programm, eine Fehlfunktion, wenn man so will, in meinem Betriebssystem. Dieses Muster äußerte sich wie folgt:

Was auch immer sich wirklich unangenehm anfühlt

1. Ich möchte nicht, dass es auftaucht

2. Ich liebe es nicht, wenn es hier ist (ich hasse es sogar)

3. Ich möchte, dass es verschwindet

Als ich erstmals mit den Living Inquiries arbeitete, war diese Fehlfunktion immer noch installiert. Und ich bemerkte sie nicht mal! Ganz gleich, wie sehr ich wahrnahm, dass die Gedanken, Emotionen und Empfindungen nicht ich waren und wie sie kamen und gingen, die Kontraktion blieb. Und sie blieb aufgrund diese ungeprüften Programms.

Ich wusste, dass die Living Inquiries ein großartiges Werkzeug waren, um Körperanspannungen zu untersuchen – das beste Werkzeug, dass ich bisher gefunden hatte. Ich wusste, ich musste innehalten und das Programm zurücksetzen, wenn man so will. Es mussten zuerst ein paar Fehler beseitigt werden. Ich wusste, dass es nicht mehr um das Erkennen des Bewusstseins ging, weil dieses Programm so unbewusst war, dass es selbst dann weiterarbeitete, wenn das Bewusstsein deutlich wahrgenommen wurde.

Stattdessen begann ich, jedes Mal wenn die Kontraktion auftauchte folgenden Satz zu sagen, während ich mir gleichzeitig der Empfindungen, Formen und Bilder bewusst war, die mit ihr auftauchten:

„Danke, dass du da bist, ich liebe dich, du bist willkommen zu bleiben.“

Danach entspannte ich mich einfach – tat nichts! Lebte weiter!

Ich habe damit etwa vor zwei Jahren begonnen, nachdem ich über Ho’oponopono gelesen hatte, eine hawaiianische Methode zur Aussöhnung und Vergebung. Ich habe diese Methode einfach etwas verändert und sie auf meine Körperkontraktionen angewandt.

Warum hat das geholfen? Wenn du einem Freund, der an deiner Tür erscheint, bedingungslos liebend gegenüber treten würdest, wäre deine Haltung doch „Schön, dass du da bist, ich liebe dich, du bist willkommen zu bleiben“. Alles andere ist Widerstand. Und je mehr wir uns gegen etwas wehren, um so stärker wird es.

Nur diesen Satz auszusprechen änderte alles. Es löschte diese unbewusste und tiefegreifende Überzeugung, dass „ich nicht möchte, dass es auftaucht, ich es hasse und will, dass es verschwindet“. Ich erkannte, dass ich die Kontraktion nicht befragen und auseinander nehmen musste, wenn ich diesen Satz sagte, zumindest erstmal nicht. Alles war gut, wunderbar sogar! Selbst der Schmerz war einfach, was immer er auch war. Keine große Sache, wenn kein Widerstand dagegen da war.

Ich erkannte auch, dass alleine die Absicht, nach diesem Satz in die Kontraktion hineinzugehen und sie auseinanderzunehmen die Absicht in sich trug, die Anspannung aufzulösen (schon wieder). Die Selbstbefragung so einzusetzen hätte lediglich wieder eine Verhärtung der Kontraktion zur Folge gehabt. Ich nahm wahr, dass ich nach dem Aussprechen des oben genannten Satzes kaum noch den Drang verspürte nachzuschauen, ob die Kontraktion verschwunden war. Und das war ja auch nicht die Absicht dieser Phrase. Ihr Ziel war es, eine natürliche, liebende Akzeptanz gegenüber den Empfindungen zu enthüllen, eine Akzeptanz, die jenseits des Verstandes empfunden wurde.

Das löschte das fehlerhafte Programm aus meinem System. Paradoxerweise begann das Sagen dieses Satzes die Kontraktion zu lösen – nicht unbedingt ganz und gar. Aber es war plötzlich nicht mehr wichtig. Der Systemfehler, dieser eklige kleine Käfer, hatte seine gruseligen Arme und Beine von der auftretenden Energie gelöst. Wenn ich mir sicher war, dass es keine Absicht mehr gab, das, was von der Anspannung übrig war, zu lösen,  begann ich behutsam mit der Selbstbefragung. Sie war so sehr viel wirksamer. Es fühlte sich an wie ein entspanntes Spiel,eine Erkundung ohne jegliche Erwartung oder irgendein Ziel im Hinterkopf.

Es gibt auch noch anderen Werkzeuge, die Anbieter der Living Inquiries während der geführten Selbstbefragung  anwenden, um den Klienten zu helfen, die Tendenz loszulassen zu tun, tun, tun.

Das also hat mir geholfen. Wenn du dich nicht an die Selbstbefragung gefesselt fühlst, hast du die Möglichkeit, offen zu bleiben.

Ich teile das mit dir ohne die Garantie, dass dieser Satz deine Kontraktionen lösen wird. Noch mal, dass ist nicht sein Zweck (auch wenn das seine Folge sein kann). Für eine  tiefgreifende Auflösung braucht es jedoch häufig noch die Selbstbefragung, nachdem der Inhalt des Satzes tief in dich eingesunken ist. Ich teile das, damit du diesen Satz vielleicht aufgreifen und den Glaubenssatz löschen kannst, dass das „nicht da sein sollte, ich es nicht mag und es verschwinden soll“. Falls du das gleiche Fehlprogramm laufen hast, wird dir dieser Satz vielleicht helfen, mit dem Tun, Tun, Tun aufzuhören. Danach kannst du die Living Inquiries so wie sie gedacht waren, auf eine entspannte und spielerische Art einsetzen, als eine sanfte Untersuchung, die nichts verändern will, sondern lediglich dabei helfen, sich zu entspannen und sanft und liebevoll die Dinge sein zu lassen, wie sie sind.

Wahrscheinlich siehst du die Ironie: obwohl das, wogegen wir uns wehren, bestehen bleibt, ändert sich das, was wir annehmen (wirklich annehmen), ja löst sich manchmal sogar ganz auf. Trotz unserer Anstrengungen, Veränderung herbeizuführen, geschieht Veränderung meist dann, wenn wir unsere Anstrengungen aufgeben. “

Scott Kiloby auf seiner Seite http://naturalrestforaddiction.com.

Ich finde diesen Text sehr schön, sehr ehrlich, sehr hilfreich. Was meinst du? Welche Erfahrungen hast du mit Techniken zur Befreiung von Kontraktionen aus deinem Körper gemacht?

2 Gedanken zu „Scott Kiloby – Anspannung – Danke, dass du da bist“

  1. Liebe Ruth,

    wie lustig! Ich bin heute „zufällig“ über deine Seite gestolpert, nachdem ich bei Nitya kommentiert hatte. Dann klicke ich auf den obigen Artikel — und finde Ho’oponopono! Genau über diese Methode, die ich vor zehn Jahren entdeckte, aber jetzt erst wiederaufgenommen habe, schreibe ich zurzeit auch auf meinem Blog 🙂

    Was soll ich sagen? Scott hat recht. Ho’oponopono funktioniert gut, sehr gut sogar.

    Vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße
    Norbert

    1. Lieber Norbert,
      schön, dass du hierher gefunden hast und dass es dir hier gefällt :). Ich hoffe, du entschuldigst meine verzögerte Reaktion. Ich war selbst länger nicht hier.
      Liebe Grüße auch von mir,
      Ruth

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